



St. Annen-Museum in Lübeck mit Sonderausstellung: "Lucas Cranach d. Ä. und Hans Kemmer. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation“ (Teil 3)
Lübeck. - Im Interview würdigt Dr. Dagmar Täube, Leiterin des St. Annen-Museums, des Museums Holstentor und der Katharinenkirche in Lübeck, die künstlerische Bedeutung des lange Zeit in Vergessenheit geratenen Lübecker Malers Hans Kemmer, Meisterschüler von Lukas Cranachs d. Ä.
DAS GESAMTE INTERVIEW IST KOSTENFREI ERHÄLTLICH UND WIRD AUF WUNSCH ALS PDF GEMAILT: SCHREIBEN SIE BITTE AN: info@brikada.de | STICHWORT: „CRANACH. KEMMER. LÜBECK“
Interview Teil 3
7. Wie wird der Themenwandel in der Kunst von der Reformation zur Renaissance in der Ausstellung sichtbar?
Wir haben die Ausstellung thematisch aufgebaut. In sieben Kapitels werden wichtige Themen aufgegriffen und mit möglichst vollständigen Werken von Hans Kemmer einerseits und beispielhaften Werken von Lucas Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt andererseits bebildert.
Die Kapitel stellen zunächst die Protagonisten vor, also die Auftraggeber von Cranach und Kemmer und zugleich die sächsischen Kurfürsten, deren Hofmaler Cranach war und ebenso die wichtigen Reformatoren wie Martin Luther mit seiner Frau Katharina von Bora und Philipp Melanchthon.
Dann stellen wir die neu entdeckte Werkgruppe aus der Cranachwerkstatt vor, bei der Kemmer jetzt fassbar wird. Und schließlich widmen wir uns den neuen Themen zur Reformation: „Jesus als Gottessohn und Mensch, vorbildliche Frauen“, wobei das „vorbildlich“ als Wortspiel zu verstehen ist: einerseits die Vorbildfunktion der Dargestellten, andererseits der Einfluss des Cranachschen Frauentypus und weiterer Motive auf Kemmers Darstellungen. Es folgen „Christus und die Ehebrecherin“ und „Gesetz und Gnade“.
Den zweiten Teil der Ausstellung widmen wir „Kemmer im Kontext“. Hier zeigen wir Werke von Hans von Köln und Jacob van Utrecht, druckgraphische Beispiele der Reformation mit den neuen Themen und weitere Einblicke in die Arbeit hinter den Kulissen zur Ausstellung mit Fotografien zu den Restaurierungen und IRR-Aufnahmen, wo die Restaurierungsergebnisse, Unterzeichnungen und Übermalungen besonders schön sichtbar werden.
8. Welchen (wissenschaftlichen) Stellenwert nimmt die Ausstellung in der deutschen/Europäischen Museumslandschaft ein?
In der Ausstellung werden erstmals überhaupt anlässlich des 460. Todestages von Hans Kemmer 22 seiner ca. 29 erhaltenen und zum Teil zugeschriebenen Werke versammelt. Es sind Leihgaben aus ganz Deutschland, den Niederlanden, Dänemark, Schweden, Österreich, Polen und den USA dabei. Zum Teil wurden sie noch nie öffentlich gezeigt.
Sie werden 24 thematisch verwandten Werken von Lucas Cranach d. Ä. und seiner Werkstatt sowie 18 weiteren zeitgenössischen Werken aus dem Umfeld gegenübergestellt. Mutmaßliche Werkstattgenossen wie Wolfgang Krodel oder Anton Heussler sind ebenso dabei wie sein wichtiger Vorgänger in Lübeck, Jacob van Utrecht.
Hier sind zwei Aspekte besonders wichtig: Hans Kemmer wird als Malerpersönlichkeit erstmals einer breiten Öffentlichkeit differenziert und umfassend vorgestellt und die derzeit aktuelle Werkstattfrage wird aufgegriffen. Forschung und Wissenschaft sind auch in der Kunstgeschichte stetig im Wandel und diese Ausstellung möchte dazu weitere Puzzlestücke beitragen.
9. Welchen Stellenwert wird die Ausstellung für das St. Annen-Museum in Lübeck und haben?
Das St. Annen-Museum verfügt über die größte Sammlung norddeutscher Schnitzaltäre, über den kostbaren Danziger Textilschatz, einen der größten in Deutschland, über eine umfangreiche kulturgeschichtliche Sammlung und über eine kleinere, aber hochbedeutende Sammlung an deutscher und niederländischer Malerei des 15. und 16. Jahrhunderts. Dazu gehören u. a. Werke von Hans Memling, Jacob van Utrecht, Lucas Cranach, Hans Kemmer und einem direkten Nachfolger von Joos van Cleve. Sie alle finden ihren Platz in einem Kloster des 15. Jahrhunderts, zu dem nicht nur ein besonders schöner Kreuzgang gehört, sondern auch zwei romantische Klostergärten die Besuchenden verzaubern.
Dieser besondere Ort war allzu lange im Dornröschenschlaf und auf ihn soll ebenfalls mit dieser Ausstellung aufmerksam gemacht werden. Man kann das Innere des Weltkulturerbes der Lübecker Altstadt hier auf hohem Niveau und in besonderer Atmosphäre vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert verfolgen, bereichert durch die Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts in der benachbarten Kunsthalle St. Annen. In der stimmungsvollen Lübecker Altstadt sind viele der Originalschauplatze der Ausstellung zu entdecken, so dass auch Lübeck als Ganzes in die Ausstellung einbezogen wird.
Die Fragen stellte Brigitte Karch
Über Museumsleiterin Dr. Dagmar Täube:
Geboren 1961 in Grevenbroich (Rheinland), studierte Kunstgeschichte, Erziehungswissenschaften und Germanistik an der Uni Bonn mit Studienaufenthalten in Brüssel, Utrecht und Den Haag, u. a. als Stipendiatin des DAAD mit dem Abschluss Promotion 1991.
Sie war bereits während des Studiums als freie Museumspädagogin in Köln tätig und im Anschluss als wiss. Mitarbeiterin im Wallraf-Richartz-Museum. Es folgten weitere lange Jahre als Kuratorin, stellv. und zuletzt kommissarische Direktorin des Museum Schnütgen Köln (1998-2012), Leitungen des Deutschen Glasmalerei-Museums Linnich und der Draiflessen Collection in Mettingen, außerdem Lehraufträge an den Unis in Bochum und Düsseldorf (2001-2014) und ein Forschungsaufenthalt im Victoria & Albert Museum London.
Seit 2016 ist sie Leiterin des St. Annen-Museum, des Museums Holstentor und der Katharinenkirche. Dagmar Täube hat zahlreiche Ausstellungen, Vorträge und Publikationen zur Kunst des Mittelalters und des 20. Jahrhunderts realisiert. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Kunst des Mittelalters, insbesondere die Glas- und Tafelmalerei des 14. bis 16 Jhs.
WER: St. Annen-Museum Lübeck, St. Annen-Str. 15, 23552 Lübeck
WAS: Sonderausstellung: "Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation" mit 64 Exponaten/Leihgaben
WANN: 24.10.2021-6.2.2022
KURATIERT VON: Dr. Dagmar Täube
KATALOG: "Lucas Cranach der Ältere und Hans Kemmer. Meistermaler zwischen Renaissance und Reformation" erscheint im Hirmer-Verlag, ca. 300 Seiten, ca. 45 €
Weitere Informationen:
st-annen-museum.de/lucas-cranach-d-ae-und-hans-kemmer--meistermaler-der-reformation
www.die-luebecker-museen.de | www.cab-artis.de
Das gesamte Interview ist kostenfrei erhältlich und wird auf Wunsch als PDF gemailt. Schreiben Sie bitte an: info@brikada.de | Stichwort: "Cranach. Kemmer. Lübeck".
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Zuerst auf Facebook veröffentlicht. Zum Originalbeitrag ↗


