Brikada - Magazin für Frauen

Brikada

Monacensia: Lena Christ

16.07.2012

Die 1881 in Glonn geborene Lena Christ debütierte 1912 erfolgreich mit ihrem Roman „Erinnerungen einer Überflüssigen“, in dem sie ihre eigenen Erlebnisse als ungewolltes uneheliches Kind literarisch verarbeitet. Das Buch endet, bevor der eigentliche Selbstschöpfungsprozess begonnen hat: die Geburt der Schriftstellerin.

Lena Christ hat ihre Überflüssigkeit klar erkannt und einer Verwandlung unterzogen. Das Stigma wurde für sie zur Chance, sich selbst zu erfinden: Wer zu nichts nutze ist, der ist auch zu nichts verpflichtet, dem wird auch kein fester Platz zugewiesen.

Lena Christ suchte es überall: in der Stadt, auf dem Land, in der Familie, bei den Männern, im Schreiben, im Ruhm, im Luxus. Ihre Fluchtlinien finden sich in ihren Romanen wieder: In „Mathias Bichler“ ist es der Weg zur Kunst, in der „Rumplhanni“ und in „Madam Bäurin“ der Weg zu einem selbst bestimmten Leben als Frau – in der Stadt und auf dem Land. Lena Christ war genauso flexibel wie ihre Protagonistinnen. Immer bereit zu einem Neuanfang war
sie nicht einmal auf einen speziellen Ort festgelegt:
„Jetzt probier i´s amal z´Münka, und is´s z´Münka nix, nachha geh i auf Berlin“ lässt sie ihre Protagonistin Rumplhanni sagen, doch auch Berlin bedeutet keine Endstation: „Wenn´s da aa nix is, nachher roas 'i ganz furt. In´s Amerika.“ Radikal wie ihr Leben war auch ihr Tod: Lena Christ hat sich selbst erfunden und
wieder ausgelöscht.

Die Ausstellung zeichnet anhand von literarischen Texten und Originaldokumenten aus dem Literaturarchiv der Monacensia die verschiedenen Fluchtlinien von Lena Christ nach: die Großstadt, das Kloster, die Ehe, das Schreiben und schließlich das Ende 1920, inszeniert als
Freitod einer großen Tragödin auf dem Münchner Waldfriedhof.
(Quelle: Monacensia)

Weitere Informationen:
www.muenchner-stadtbibliothek.de/monacensia

(Der Link wurde am 16.07.2012 getestet.)

Bildtext (v.l.): Lena Christ 1898 und jeweils 1911.