München. - Moderatorin Luzia Braun jongliert bei der Eröffnung des Literaturfests München und der Münchner Bücherschau im Einklang mit dem Motto „Alles echt, alles Fiktion“: Donald Trump hat es geschafft, dass man seine echten Haare wie eine Perücke wahrnimmt.“
Und schon ist alles verdreht, Fakten von Fiktion abgelöst und umgekehrt.
[caption id="attachment_11985" align="alignleft" width="471"] Doris Dörrie Kuratorin des forum:autoren 2017©Volker Derlath[/caption]Doris Dörrie, Kuratorin des forum:autoren auf dem Literaturfest kommentiert: „Wir wollen anscheinend die gefühlte Wahrheit, die von der Wahrheit kilometerweit entfernt ist. Gerade in der Politik ist es sehr mühsam geworden, Fiktion von Wahrheit zu unterscheiden. Wir aber wollen die Lüge in der Politik und Wirtschaft nicht, sondern wir holen sie uns zurück in der Literatur.“
Als Folge des ganzen Wirbels von verquirlter Fiktion und Wahrheit beschreibt die Münchner Filmemacherin eine um sich greifende Ermüdung. „Wenn man uns oft genug eine Lüge erzählt, erlahmen wir.“ Das sei ein physiologischer Vorgang im Gehirn. Genau nach diesem Prinzip handelten faschistische Systeme und Diktatoren. Bis dass das Volk ermüde.
Fiktion hat bereits das Gebiet der Dokumentation erreicht.
Maya Reichert vom DOK.fest München bringt den Begriff „Mockumentary“ ins Gespräch. Wieviel ist inszeniert in einem Dokumentarfilm? In 90 Minuten erzähle man eine gestaltete Erzählung. Dokumentationen seien geeignet, um die Prozesse des Wahrnehmens sichtbar zu machen. Doris Dörrie: „Es ist immer eine Gratwanderung von Film zu Film.“
[caption id="attachment_11984" align="alignleft" width="287"] Literaturfest München: Ariel Levy Foto: © Juliana Krohn[/caption]Bei aller Fiktion – „Wir wollen alle authentisch sein. Was aber ist echt, was ist Fiktion?“ Die Münchner Bücherschau, so Luzia Braun weiter, versammle das Best-of der deutschen und internationalen Literaturszene. Und deshalb, meint Doris Dörrie, sei es eigentlich „wurscht“, weil eine gute Geschichte zähle, egal ob echt oder fake.
Über die Social Media fiktionalisiere man sich ohnehin ständig selbst. Dadurch trete eine Ermüdung in der Fiktion ein, was auch für die Politik gelte. „Wir möchten in der Politik nicht nur Fakten sehen, sondern es soll sich alles wahr anfühlen.“
[caption id="attachment_11986" align="alignright" width="361"] Literaturfest München: Schauspielerin Lisa Wagner Foto: ©Juliana Krohn[/caption]Die Schauspielerin Lisa Wagner las Passagen aus den neuen Büchern von Ariel Levy („Gegen alle Regeln“) und Deborah Feldman („Überbitten“). Gemeinsam mit Elena Lappin („In welcher Sprache träume ich?“) diskutieren Ariel Levy und Deborah Feldmann auf dem Literaturfest mit Doris Dörrie über „Das zersplitterte Ich“. Alle drei Autorinnen haben sich sozusagen neu erfunden und gefunden, ihre Identitäten über den Weg der Biographie aufgespürt. Sind sie bei der endgültigen “Wahrheit“ angekommen oder ist doch alles wieder Fiktion? Autorin: Doris Losch
Das 8. Literaturfest München findet vom 15.11. bis zum 3.12.2017 statt. Rund 80 Autorinnen und Autoren werden dazu in der Landeshauptstadt erwartet. Die 58. Münchner Bücherschau präsentiert begleitend zur großen Buchausstellung im Gasteig, die über 20.000 Neuerscheinungen des Herbstes. Im Rahmen des Literaturfests München finden zwei Preisverleihungen statt: Der Geschwister-Scholl-Preis wird am 20. November in der LMU München vergeben, und der Preis für einen Bayerischen Kleinverlag am 27. November im Literaturhaus München.Weitere Informationen: www.literaturfest-muenchen.de www.muenchner-buecherschau.de
Titelbild: Literaturfest München – Fitkion oder Wirklichkeit? Foto: ©Juliana Krohn