„Diese sinnverwirrende Kunst Hanne Darbovens treibt mich seit meiner ersten Begegnung mit ihr in den Neunzigerjahren um“, sagt die Schauspielerin Bibiana Beglau. Und mit ihr die Frage, wer diese hagere Gestalt mit Zigarette hinter dem ausgefeilten Schreibsystem war.
Bildunterschrift (r.): Bibiana Beglau, Preisträgerin des Deutschen Theaterpreises 2015, liest im Rahmen der Ausstellung „Hanne Darboven Zeitgeschichten“ aus dem Buch „Hanne Darboven. Unbändig“ der Autorin Verena Berger (Foto: © Stephanie Fuessenich)
Dass das Leben Darbovens so von Obsession getrieben verlief, wie ihre monumentalen Werke entstanden, zeichnet die Münchener Autorin Verena Berger in ihrer gerade erschienenen biografischen Annäherung an die Hamburger Künstlerin „Hanne Darboven. Unbändig“ nach. Beglau und Berger haben sich gemeinsam diese berührenden Texte zusammen mit Passagen aus persönlichen Briefen Darbovens vorgenommen und eine eindringliche Lesefassung daraus entwickelt..
Bildunterschriift: Hanne Darboven an der Hamburger Hochschule für bildende Künste, 1965. © Archiv Hanne Darboven Stiftung, Hamburg
Hanne Darboven, ihr Leben und ihre Kunst
Zahlenkolonnen auf Schreibmaschinenpapier – Hanne Darboven (1941–2009) katalogisierte die Zeit. Die wohl bedeutendste deutsche Konzeptualistin addierte, bildete Quersummen, notierte, hielt fest. Der aufgeschriebene Moment gerann unter ihren Händen zum Kunstwerk. Die montageartige Biografie begibt sich auf Spurensuche und stellt eine faszinierend-androgyne Frauenfigur in den Mittelpunkt.
Bildunterschrift (o.): Hanne Darboven zeigt ihre Arbeit 6 Filmprojektoren nach 6 Büchern über 1968 im Städtischen Museum Abteiberg, 1969. © Albert Weber
Bildunterschrift (r.): Hanne Darboven mit Mutter Kirsten in ihrem Haus; Hamburg, 1996. © Bernhard Berz
Aus großbürgerlichem Hamburger Hause stammend, erlebte Darboven ihre künstlerische Erweckung im New York der 1960er-Jahre und machte schließlich eine steile internationale Künstlerkarriere. In dem Band wechseln erzählte Passagen, Gesprächsprotokolle und Interviews mit Weggefährten wie Lawrence Weiner, Carl Andre, Joseph Kosuth, Kasper König oder Rainer Langhans einander ab. Diese persönlichen Perspektiven machen nicht zuletzt auch die künstlerische Entwicklung anschaulich und erleichtern den Zugang zum hermetischen Werk Darbovens.
Verena Berger: „Hanne Darboven: Unbändig“, Gespräche mit Carl Andre, Joseph Kosuth, Rainer Langhans, Almir Mavignier, Andreas Osarek, Gert de Vries, Lawrence Weiner u.a., Gestaltung von Heiko Keinath, 262 Seiten, 69 Abb. Format: 18,00 x 22,00 cm, Broschur, ISBN 978-3-7757-4018-0, 38 Euro, erschienen 2015 im Hatje Cantz Verlag.
Die Lesung mit Bibiana Beglau findet am Dienstag, 8. Dezember 2015, 19 bis 20 Uhr in der Bundeskunsthalle statt. Die Ausstellung Hanne Darboven Zeitgeschichten ist noch bis 17 Januar 2016 in der Bundeskunsthalle, Bonn, zu besichtigen.
Bildunterschrift (o.): Hanne Darbovens Grab am Burgberg, Hamburg, 2015. © Oliver Helbig
Weitere Informationen:
www.bundeskunsthalle.de
www.hatjecantz.de/hanne-darboven-6527-0.html
Titelbild: Hanne Darboven im Atelier, Hamburg 1987. © Hanne Darboven Stiftung, Hamburg / VG Bild-Kunst, Bonn, 2015, Foto Hermann Dornhege