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Galerie Handwerk München: Textile Raumdekorationen

25.06.2014

Handwerk, Kunst und Kultur sind auf diesem Gebiet untrennbar und im wahrsten Wortsinn „verknüpft“. Die Geschichte der Stoffbespannungen aus Samt und Seide, wertvollem Brokat und die Historie handwerklicher Kostbarkeiten wie Posamenterien sind jahrhundertealt. Es handelt sich um wesentliche Gestaltungselemente höfischer Innenarchitektur. In München zu sehen sind hauptsächlich Exponate aus dem 18. und 19. Jahrhundert. 

Im 18. Jahrhundert waren gemusterte Seidengewebe bei Adel und gehobenem Bürgertum populär, ansonsten wurden Wolle oder Leinen-Wolle-Gewebe verwendet. Am kostbarsten war Seidendamast. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren kräftige Farben gefragt, ab ca. 1770 helle Farben und Pastelltöne.

Bildtext (r.): Beispiel für Seidendamaststoff, gewebt auf einem modernen Webstuhl. Foto: Eschke Seidenmanufaktur 

 

Der Erhalt der wertvollen Textilien ist sowohl eine handwerkliche als auch kunstwissenschaftliche Herausforderung.

In Zusammenarbeit mit der Bayerischen Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen und mit Spezialwerkstätten aus München, Crimmitschau (Thüringen), Thurnau und Werningerode präsentiert die Handwerkskammer Projekte aus den vergangenen Jahren u.a. für die Pagodenburg in Nymphenburg, das Cuvilliés-Theater und das Schloss Schleißheim. Von der Ausbildungsseite ist die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle vertreten, an die jetzt die ehemalige Gobelinmanufaktur in Halle angegliedert ist.

Bildtext (r.): Eine Posamentenquaste in voller Pracht, Schloss Linderhof angemessen! Foto: HWK München.

Eines der eindrucksvollsten Ausstellungsstücke ist ein rund hundert Jahre alter Original-Webstuhl, der noch heute in der Andreas Buchele/Josef Müller Posamenten GmbH, München eingesetzt wird. Posamentiererin Susanne Howe zeigte bei der Eröffnung ihre Kunstfertigkeit. Erfreulicherweise, so berichtet sie, seien Posamenten durchaus wieder im Kommen. Zur Posamenten-Familie gehören nicht nur Quasten für Vorhänge und Schlüssel. Posamenten-Hersteller fertigen Borten an, Bilderseile (als Aufhängung für wertvolle Gemälde), Aufhängungen für Lampen, Kordeln für Trachtenhüte, Schnüre, Knebelverschlüsse für Dirndl, und sogar Schmuckstücke wie zu Armbändern verarbeitete Geflechtborten, Ketten – z.B. mit eingearbeiteten Perlen – und Ohrringe. Die verwendeten Materialien sind Baumwolle, Viskose, Seiden, Wolle, Goldgespinst aus echtem Gold oder Lurexgold. Das Wort Posamenten stammt vom französischen „passements“ für Borten, Besatz ab.

An zwei Vorhangquasten arbeitet Susanne Howe gute vier bis fünf Stunden, je nach Größe der Quaste und nach dem geBildtext: Eine eindrucksvolle Nachwebung einer Wappentapisserie. Das restaurierte Original befindet sich auf Schloss Friedenstein, Gotha. Foto: Staatliche Gobelin- und Textilmanufaktur Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.wünschten Muster kann die Arbeitszeit auch acht bis zehn Stunden betragen.



Bildtext (r.):: Eine eindrucksvolle Nachwebung einer Wappentapisserie. Das restaurierte
Original befindet sich auf Schloss Friedenstein, Gotha. Foto: Staatliche
Gobelin- und Textilmanufaktur Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle.

Die Ausstellung verdeutlicht die historischen Funktionen und Gestaltungsideen textiler Raumdekorationen und zeigt die üppige Pracht historischer Stoffe und die Vielfalt der Gewebe und Muster.
Doris Losch

„Textile Raumdekorationen“ ist noch bis zum 26. Juli geöffnet. Adresse: Max-Joseph-Straße 4, Eingang Ottostraße, München.

Weitere Informationen:
www.hwk-muenchen.de/galerie

Titelbild: So entstehen kleine und größere Kunstwerke: Susanne Howe arbeitet an dem rund hundert Jahre alten Webstuhl, der noch heute voll im Einsatz ist. Foto: HWK München.