Die Ausstellung Kleopatra. Die ewige Diva zeigt die vielen Gesichter der Kleopatra von der Antike bis in die aktuelle Popkultur anhand von mehr als 200 Gemälden, Skulpturen, Fotografien, Filmstills und Arbeiten der Film- und Videokunst.
Jede Epoche schuf ihr eigenes unverwechselbares Kleopatra-Bild. Die letzte Pharaonin der Ptolemäer-Dynastie ist inzwischen längst zum „mythischen Zeichen“ innerhalb des kulturellen Gedächtnisses geworden. Das belegt die Vielzahl von Refigurationen und Recyclings, die der Mythos Kleopatra seit der Antike erfuhr.
Die Ausstellung setzt sich mit diesem umfangreichen Bildrepertoire auseinander. Es reicht von Kleopatras Selbstdarstellung im Spannungsfeld zwischen hellenistischem Königtum und ägyptischer Herrschaftsideologie über die Verknüpfung erotischer Ausstrahlungskraft mit ambitionierter Realpolitik bis hin zur Verquickung einer selbstbewussten Machtinszenierung mit der
politischen Inanspruchnahme ihrer Person durch ihre Gegner sowie die Aneignung durch ihre Verehrer.
Diese Aspekte formen gleichermaßen die Rezeptionsgeschichte einer Ausnahmepersönlichkeit wie Kleopatra. Das Römische Kaiserreich instrumentalisierte sie als die wichtigste Trophäe des eigenen Gründungsmythos auf dem Weg zur uneingeschränkten Hegemonie.
Die Neuzeit erhob Kleopatra zur Ikone der weiblichen Macht, zum ästhetischen Ideal und zur Verkörperung des Anderen schlechthin. Über Jahrhunderte hinweg wurde sie gezielt als Projektionsfläche für Fantasien und Rollenspiele einer sich wandelnden westlichen Gesellschaft eingesetzt. Durch ihren Liebestod wurde sie zur großen tragischen Heldin, aber auch zum Vexierbild der kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Anliegen der dieses Bild hervorbringenden Epoche.
Die zu Kleopatras Lebzeiten entstandenen schriftlichen Quellen und visuellen Zeugnisse sind heute nur noch fragmentarisch erhalten. Kleopatra ist vor allem aus Erzählungen und Bildern bekannt, die nach ihrem Tod entstanden und stetig in Umlauf gebracht worden sind.
Gleichzeitig gehört sie zu den zentralen Kristallisationspunkten der westlichen Ägypten-Faszination. Ihre tragische Geschichte beflügelte die Fantasie zahlreicher Schriftsteller, Musiker und Künstler und inspirierte diese zuweilen zu Werken von höchster ästhetischer Qualität und emotionaler Dichte. Doch allem voran blieb Kleopatra ein repräsentatives Motiv der abendländischen Kunstgeschichte – beginnend mit den durch die Antike inspirierten Idealen der Renaissance über das barocke Zeitalter der Inszenierungen bis hin zu den orientalischen Fantasien des 19. Jahrhunderts. Die Kleopatra-Rezeption des 20. Jahrhunderts verlagerte sich auf die Theaterbühne und die Filmleinwand und bot damit einem breiten Publikum neue visuelle Rollenmodelle und Identifikationsmuster.
Eines der insgesamt 14 thematischen Kapitel der Ausstellung befasst sich mit „Bewegte Bilder – Filmdiven im 20. Jahrhundert“. Die zeitgenössische Umdeutung des Mythos Kleopatra wird in den Filmproduktionen Hollywoods besonders anschaulich. Das monumentale Filmepos setzte dort an, wo die Malerei des 19. Jahrhunderts aufgehört hatte. Es generierte Bilder, die im Gedächtnis der breiten Öffentlichkeit die Vorstellungen von der ägyptischen Königin prägten und deren Wahrhaftigkeit suggerierten. Die unschlagbare Kombination aus Erotik und Politik in exotischer Staffage zog bereits in der Stummfilmära ein Massenpublikum an.
Theda Bara war nicht der einzige Stummfilmstar, der Kleopatra spielte, doch die von ihr verkörperte Mischung aus lasziver Erotik und Freude an den eigenen Verführungskünsten hat alle nachfolgenden Darstellungen maßgeblich geprägt.
Deren schwülstigen Exotismus legt Claudette Colbert Mitte der 1930er Jahre ab und lässt ihre Kleopatra mit gelassener Souveränität als elegante, moderne Frau auftreten. Vivien Leigh wiederum gibt sich in dieser Rolle Mitte der 1940er Jahre als unberechenbarer, kindlich-naiver Backfisch.
Erst Elizabeth Taylor spielt Anfang der 1960er Jahre Kleopatra als Regentin mit politischem Weitblick, die ihre Visionen mit Autorität und Ehrgeiz gepaart mit erotischem Glamour umzusetzen sucht. Wie keine andere Schauspielerin wird Liz vom Publikum mit Kleopatra identifiziert, ihre skandalöse Romanze mit Richard Burton mit der Liebesgeschichte von Antonius und Kleopatra gleichgesetzt.
Quelle: Bundeskunsthalle, Bonn
Die Ausstellung ist bis zum 6. Oktober 2013 in der Bundeskunsthalle in Bonn zu sehen. KLEOPATRA - Die ewige Diva wird von Elisabeth Bronfen und Ausstellungsleiterin Agnieszka Lulinska kuratiert.
Weitere Informationen:
www.bundeskunsthalle.de
Bildtext (v.l.): Kopf einer ptolemäischen Königin Ägypten, ptolemäisch, 1. Jhd. v. Chr, Marmor, © Musei Capitolini 2009; BTOY, Kleopatra IV. (Liz Taylor) 2009, Öl auf Leinwand © 2012 BTOY, Claudette Colbert, Filmstill, 1934