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Hetjens-Museum mit „In Meißener Manier

07.04.2013

Die Erzeugnisse der Manufaktur des Kaufmanns Wilhelm Caspar Wegely (1714–1764) gelten heute als Raritäten. Neben den berühmten Puttenfiguren der Manufaktur gehören bunt staffierte wie unbemalte Göttergestalten, Allegorien der Jahreszeiten, Service, Vasen und Körbe mit plastischen Blüten sowie feine Riechfläschchen zum Düsseldorfer Museumsbestand.

Der lang gehegte Traum vom „Weißen Gold“
Eine Porzellanmanufaktur nach Vorbild der Meißener Manufaktur in Berlin anzusiedeln, war ein lang gehegter Traum Friedrichs des Großen (1712–1786). Nicht nur hatte der preußische König schon von Kindesbeinen an am elterlichen Hof das „Weiße Gold“ kennen- und schätzen gelernt, auch erkannte er, welches Ansehen Meißener Erzeugnisse August dem Starken in Sachsen verliehen.

Während des Zweiten Schlesischen Krieges (1744–1745) ließ Friedrich der Große 52 Kisten mit kostbarem Meißener Porzellan beschlagnahmen und nach Berlin bringen. Mit dem Privileg zur Porzellanherstellung, das er 1751 Wilhelm Caspar Wegely erteilte, legte der König den Grundstein für die erste Manufaktur auf seinem Herrschaftsgebiet, genauer in einem ehemaligen Kommandantenhaus auf der Neuen Friedrichstraße in Berlin. Wegely, der Spross einer Schweizer Wollzeugfabrikantenfamilie, sagte seinem Landesherrn zu, dass er „der Meißner Fabrique an Schönheit der Waaren wenigstens gleich kommen, und was den Preiß anlanget, es derselben weit zuvorthun und mein Porcellain viel wohlfeyler als selbige verkauffen will“.

Meißen auf Berlinerisch
Nach anfänglichen Brennschwierigkeiten gelang Wegely die Zusammenstellung eines Sortiments mit Kaffee- und Teeservicen, Figuren und Flakons. Die Geschirrentwürfe und Figurenplastiken wurden bevorzugt Meißener Vorbildern entlehnt, wie unter anderem die Kopien des bekannten Liebespaars „Skaramuz und Colombine“ des Meißener Modellmeisters Johann Joachim Kaendler belegen. Trotz der deutlichen Anlehnung an Meißen entwickelte man in Berlin jedoch einen eigenen Stil: Ihren ganz persönlichen Charme bekommen die vielen Meißen nachmodellierten Putti gerade durch ihre gröber gestalteten Gesichtszüge und leicht verzogenen Körperhaltungen. Da von Kaendlers Schöpfungen heute nur noch sehr wenige erhalten sind, bieten die Berliner Nachahmungen gleichzeitig Einblick in die Meißener Produktion.

Die weltgrößte Wegely-Sammlung
Nachdem Wegely die Manufaktur wegen eines finanziellen Engpasses nach nur sechs Produktionsjahren schließen musste, sind Stücke aus der Produktion heute rar und auf dem Kunstmarkt sehr gesucht. Dank der Schenkung des Düsseldorfer Ehepaares Hertha und Claus Heim verfügt das Hetjens-Museum seit 2009 über die weltweit größte Sammlung an Wegely-Porzellan, die mit der Studioausstellung nun die ihr gebührende Aufmerksamkeit erhält.

Berlin im Hetjens-Museum
Friedrich der Große wurde 1763 mit der Gründung der „Königlichen Porzellan- Manufaktur Berlin“ schließlich auch selbst Manufaktureigner – und konnte seine künstlerischen Vorstellungen von nun an unmittelbar in die Tat umsetzen lassen.

Zusammen mit der Sonderausstellung „Königliche Eleganz, preußische Pracht“ anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der „KPM“ bietet die Studioausstellung „In Meißener Manier – Berliner Porzellan der Manufaktur Wegely“ in diesem Frühjahr im Hetjens-Museum einen umfassenden und in dieser Form einzigartigen Überblick über die ersten Porzellanerzeugnisse Berlins.
(Quelle: Hetjens-Museum)

Weitere Informationen:
www.duesseldorf.de/hetjens
(Der Link wurde am 07.04.2013 getestet.)

Bildtext: Juno, aus einer Folge von vier Göttern (Merkur, Venus, Jupiter, Juno), Manufaktur Wegely, Berlin, 1751–1757.