Mit den immer kürzer werdenden Tagen und der beginnenden Winterzeit ist die Zeit um den ersten Novembertag aber immer ein besonderer Moment um Innezuhalten und sich emotional berühren zu lassen.
Gerade jetzt gehört eine Portion Abenteuerlust dazu, im Süden von Sachsen-Anhalt, an der nördlichen Grenze von Thüringen den kleinen Ort namens Memleben zu suchen.
Nichts, kein hochragender Kirchturm oder ein weit ins Land grüßendes Dach versichern die Annäherung an großartige historische Bauten. Man hält zum ersten Mal den Atem an, wenn mitten in blühendem Klostergarten die dachlose, offene Ruineeiner großen Kirche des 13. Jahrhunderts auftaucht, Spitzbögen, Bruchsteinmauerwerk.
Der größte Schatz liegt aber unter dem Kirchenboden. Man steigt hinunter, die Augen gewöhnen sich an das Dämmerlicht und man steht sprachlos in einer wunderbaren pfeilergestützten dreischiffigen Krypta. Größer als eine Dorfkirche! Irgendwo hier, wohl in den steinernen Mauern neben der Kirche, starben Vater und 37 Jahre später der Sohn, ein König und ein Kaiser, Heinrich I. und Otto der Große.
Das ist über 1000 Jahre her, aber der Atem der Geschichte wird an diesem besonderen Schauplatz der Zeitgeschichte wieder ganz lebendig: Otto II. und seine sagenumrankte Gattin, Mitkaiserin Theophanu, stiften im Jahre 979 ein Reichskloster und eine Kaiserpfalz genau hier in Memleben.
Man errichtete eine erste Kirche, die gewaltiger war als jene zu St. Gallen, Fulda, der Reichenau. Sie ist völlig verschwunden. Aber vor Jahren fand man jene Fundamente, die man ebenerdig wieder bestaunen darf. Sogar die Krypta war noch vor wenigen Jahren ein Kartoffelkeller.
Nur noch bis zum 9. Dezember ist eine außergewöhnliche Sonderausstellung in Memleben zu erleben „Wenn der Kaiser stirbt – der Herrschertod im Mittelalter“. Kaum ein Ort in Deutschland, kaum eine kulturhistorische Sonderausstellung passt besser zu den kommenden Tagen um Allerheiligen und Allerseelen, wie die Ausstellung im Museum Kloster und Kaiserpfalz zu Memleben.
Ein besonderes Exponat der Sonderausstellung sind so genannte Newwelinge. Dabei handelt es sich um Wachslichter. Sie wurden und werden aus dicken, meist farbigen Wachsschnüren zu Kugeln oder Kegeln aufgerollt.
In Mainz brennen sie alljährlich zum Allerheiligen- und Allerseelenfest zum Gedenken an die Toten, an und um den Allerseelentag (2. November) und stellen bis heute ein lebendiges Zeugnis dar, das durch Abt Odilo von Cluny im 10. Jahrhundert speziell zum Totengedenken eingeführt wurde. Erstmals im 14. Jahrhundert bezeugt, gab es sie sicher schon früher.
Der Name Newweling stammt von Nebeling, ein Begriff, der Grabkerzen bezeichnet, die zur Zeit der nebeligen Novembertage dort aufgestellt wurden. Im hessischen Dialekt spricht man das Wort Nebel als Newwel aus.
Das Museum Kloster und Kaiserpfalz Memleben bilden ein erlebenswertes Kulturreiseziel, das 2013 ein wichtiger Korrespondenzort der „Straße der Romanik“ sein wird.
Weitere Informationen:
www.kloster-memleben.de
(Der Link wurde am 01.11.2012 getestet.)
Titelbild: Memleben ist zu „Allerheiligen/Allerseelen“ eine besondere Reise wert:
„Dort wo der Kaiser starb – der Herrschertod im Mittelalter“