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Alpines Museum München: Sonderausstellung „gerade wild. Alpenflüsse“

17.05.2018

München. - Es ist alarmierend und skandalös: Nur noch 1 Prozent der Alpenflüsse sind in einwandfreiem Zustand. Menschliche Eingriffe in die Natur wie Pumpspeicherwerke, Wehranlagen, Begradigungen und die intensive Nutzung der Auen haben viele Gewässer stark geschädigt.

Melanie Grimm, Vizepräsidenten des Deutschen Alpenvereins DAV betonte bei der Eröffnung der Sonderausstellung „gerade wild. Alpenflüsse“ , dass „die Erschließung der Alpen abgeschlossen ist!“. Dringend notwendig seien dagegen u.a. das Vorantreiben von Renaturierungen der Flüsse und die Schaffung von Mindesttiefen für besseren Lebensraum für Tiere.

Um welche selten gewordenen Lebewesen es sich dabei handelt, zeigt die Ausstellung, die eigentlich mehr ein Lehrpfad zum Mitdenken als eine sinnliche Ausstellung ist.

Ungewöhnlich und gewöhnungsbedürftig ist die Präsentation mittels senkrechter Röhren aus Altpapier, angeordnet wie ein mäandernder Flusslauf. Beugt sich die Besucherin über diese Röhren, erspäht sie z.B. Fotos der Köcherfliegenlarve, die nur in besonders sauberen Gewässern lebt und daher ebenso wie die Steinfliege vom akuten Aussterben bedroht ist, von der Flussuferwolfsspinne, von Wasseramsel, Bachforelle und Gelbbauchunke. Mittels 3-D-Brille können Besucher sich von Gegebenheiten „vor Ort“ ein Bild machen und mittels Kopfhörer Rauschen und Plätschern von Flüssen und Bächen genießen. So lange es noch rauscht und plätschert und nicht nur träge und begradigt vor sich hin fließt.

Melanie Grimm: „Wir brauchen dringend weitere Renaturierungen an den Alpenflüssen. Sie sind für den Erhalt seltener Arten wie den Flussregenpfeifer ebenso notwendig wie für den Hochwasserschutz und eine attraktive Landschaft“.

  [caption id="attachment_15367" align="aligncenter" width="785"] Ausstellung "gerade wild. Alpenflüsse". Foto: © Obere Isar DAV/Steffen Reich[/caption]

In wie weit Wunsch und Wirklichkeit noch auseinander klaffen, verdeutlicht die EU-Vorgabe, bis 2027 Flüsse in guten ökologischen Zustand zu versetzen.

Die Sonderausstellung ist Teil des Verbundprojekts „Alpenflusslandschaften – Vielfalt leben von Ammersee bis Zugspitze. Gemeinsames Ziel ist die Erhaltung und Wiederherstellung artenreicher Lebensräume an Isar, Loisach, Ammer, Lech und Wertach. Dort sind die letzten Naturjuwelen – etwa in der Pupplinger Au und an der oberen Isar vor dem Sylvensteinsee – akut bedroht. Ein besonders zauberhaftes Naturjuwel sind die so genannten Schleierfälle in der Ammerschlucht: Im Quellwasser gelöster Kalk hat sich über Jahrtausende zu Kalktuff abgelagert und präsentiert sich in fragiler Schönheit – die einen menschlichen Eingriff nicht überleben würde. Autorin: Doris Losch

Alpines Museum Sonderausstellung „gerade wild. Alpenflüsse“, Praterinsel 5, 80538 München, 17. Mai 2018 – 17. März 2019.

Ergänzt wird die Ausstellung von zahlreichen Veranstaltungen wie etwa Ferienworkshops für Kinder und Erlebnisführungen für Schulklassen, Diskussionen und Expertengespräche. Am 11. Dezember liest Nicola Förg aus ihrem Lechkrimi „Heimatherz“ von den menschlichen und ökologischen Verlusten , die der wirtschaftliche Ausbau des Lechs und die Flutung des Forggensees zur Folge hatten.

Weitere Informationen: www.alpines-museum.de www.alpenverein.de/Kultur/Gerade-Wild-Ausstellung

Titelbild: Ausstellungsfoto "gerade wild. Alpenflüsse". Foto: ©Copyright Deutscher Alpenverein e.V.

 

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