Nürnberg. - Wem gehörten Kunstwerke früher? Ausstellungen zeigen Gemälde, Skulpturen und viele andere Objekte. Die wenigsten wurden direkt für ein Museum geschaffen, in der Regel gibt es Vorbesitzer: Kirchen, städtische Kommunen, Handwerkerzünfte, vielfach Privatbesitzer. Eigentlich ist das Wissen um die Vorgeschichte ureigenste Aufgabe der Forschungsarbeit eines Museums. Doch die Recherchen sind kompliziert, Handelswege oft versteckt, vielfach nicht hinreichend dokumentiert. Die Erforschung der Provenienz eines Werks verlangt besondere Erfahrungen und Kenntnisse. Insbesondere seit die Suche nach NS-verfolgungsbedingt entzogenem Kulturgut in Museen mit der Washingtoner Konferenz 1998 auf die Agenda rückte, erlebte die Provenienzforschung einen Aufschwung.
[caption id="attachment_11518" align="alignright" width="306"] Unterseite: Husar, um 1765/70 Porzellan-Manufaktur Ludwigsburg; Porzellan 16 cm hoch seit 1939 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Foto: ©GNM/Dirk Messberger[/caption]
„Zwar hat das Germanische Nationalmuseum schon zuvor Bemühungen unternommen, neben der allgemeinen Provenienzforschung auch jene Eigentümer von Kunstwerken zu ermitteln, denen diese in der NS-Zeit gestohlen worden sind“, betont Generaldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann, „doch erst mit der Förderung eines Forschungsprojekts durch die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste waren systematische Untersuchungen möglich.“
Am Germanischen Nationalmuseum betrafen sie zwischen 1933 und 1945 erworbene Gemälde, Skulpturen und kunsthandwerkliche Objekte. Zum Abschluss des Forschungsprojekts zeigt die Studioausstellung anhand neun exemplarisch ausgewählter Fallbeispiele die Beziehungen des Museums zum Kunsthandel, zu Sammlern sowie die Handlungsmöglichkeiten und -weisen der Akteure während des Nationalsozialismus. Zweifelsfrei rechtmäßige Erwerbungen werden ebenso thematisiert wie solche, bei denen trotz intensiver Recherche weiterhin Lücken in der Provenienz bestehen oder die nach heutigem Kenntnisstand NS-verfolgungsbedingt entzogen wurden.
[caption id="attachment_11517" align="alignleft" width="502"] Blick in den Ausstellungsraum Foto: ©GNM/Dirk Messberger[/caption]
Die Studioausstellung widmet sich Werken der Kunsthandlung Julius Böhler, München, Vermittlertätigkeit von Albert Loevenich, Privatsammlung des Ehepaars Henry (eigentlich Heinrich) und Emma von Budge sowie der Fayence-Sammlung von Igo Levi.
(Quelle: GNM)
Die Studioausstellung wurde am 26.10.2017 eröffnet und kann bis
17. Juni 2018 betrachtet werden.
Weitere Informationen:
www.gnm.de
Titelbild: 05 Fayencen aus der Sammlung von Igo Levi (v.l.): Kaffeekanne mit Jagdszene, um 1750 Fayence 17,5 cm hoch Schüssel, um 1744 Fayence Durchmesser: 30,4 cm beide seit 1950 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Teekanne, um 1755 Fayence 13,7 cm hoch seit 1952 Germanisches Nationalmuseum, Nürnberg Foto: ©GNM, Monika Runge