18.11.2006
Eugénie Musayidire, Gründerin des Vereins "Hoffnung in Ruanda" und des ruandischen Jugendbegegnungs- und Therapiezentrums "IZERE", erhält die Auszeichnung für ihr beispielhaftes Engagement für die Aussöhnung zwischen den verfeindeten Volksgruppen in Ruanda.
In der Begründung der Jury heißt es unter anderem: "Eugénie Musayidire setzt sich mit bewundernswertem Mut und ungeachtet aller persönlichen Risiken für die Anerkennung der Menschenrechte und für die Versöhnung zwischen den beiden verfeindeten Volksstämmen der Hutu und Tutsi in Ruanda ein. Die Geschichte des Landes ist seit Jahrzehnten durch den Konflikt zwischen diesen beiden Bevölkerungsgruppen geprägt. Wie zahlreiche andere Angehörige der Tutsi-Minderheit, so war auch Eugénie Musayidire 1973 gezwungen, ihr Heimatland zu verlassen, und erhielt schließlich politisches Asyl in der Bundesrepublik Deutschland. 1994 musste sie dann erfahren, dass viele ihrer Familienmitglieder und Verwandten dem Völkermord in Ruanda zum Opfer gefallen waren.
Diese persönliche Tragödie motivierte sie dazu, in ihr Heimatland zurückzukehren und aktive Versöhnungsarbeit zu leisten. Die Begegnung mit zahlreichen Landsleuten, die unter den Folgen des Genozids litten, bestärkte sie in diesem Vorhaben. Um diesen Menschen zu helfen, gründete sie den Verein ‚Hoffnung für Ruanda’ mit dem Ziel, Orte der Begegnung aufzubauen und die Betroffenen durch therapeutische Angebote in die Lage zu versetzen, über ihre persönlichen Erinnerungen an die furchtbaren Geschehnisse zu sprechen. Mit öffentlichen Veranstaltungen, Seminaren und Radiosendungen unternimmt der Verein darüber hinaus große Anstrengungen, um die Auseinandersetzung in der ruandischen Gesellschaft mit den Ursachen und Folgen des Völkermords zu fördern und durch intensive Menschenrechtsbildung zu einem Zusammenleben der beiden Volksgruppen in Frieden, Gerechtigkeit und Sicherheit beizutragen. Inzwischen hat Eugénie Musayidire auch ein Jugendbegegnungs- und Therapiezentrum in Ruanda errichtet, in dem Kinder und Heranwachsende betreut werden, die durch ihre Erfahrungen während des Genozids noch immer traumatisiert sind."
Die siebte feierliche Verleihung des Internationalen Nürnberger Menschenrechtspreises findet
am Sonntag, 30. September 2007, traditionell in der Nürnberger Oper statt.
Hintergrund:
Seit 1995 vergibt die Stadt Nürnberg den Internationalen NürnbergerMenschenrechtspreis im zweijährigen Turnus an Personen oder Gruppen, die sich weltweit in vorbildlicher Weise und gegebenenfalls auch unter erheblichen persönlichen Risiken für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Der Preis ist mit 15 000 Euro dotiert und wurde von dem Nürnberger Verleger und Herausgeber Bruno Schnell gestiftet.